Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad

Alkohol-Interlock

Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad

Die Situation

Wenn Sie mit über 1,6 Promille alkoholisiert mit dem Fahrrad erwischt worden sind, empfinden Sie die Lage möglicherweise als besonders verzwickt:

Viele erwischte Radfahrer ärgern sich häufig schon über die Geldstrafe, weil sie der Meinung sind, „eigentlich alles richtig gemacht zu haben“, denn sie sind ja gerade nicht mit dem Auto gefahren. Da aber im Strafbefehl in der Regel von Führerscheinentzug oder Fahrverbot keine Rede ist, erwarten sie von dieser Seite zunächst auch keine weiteren Maßnahmen.

Der Schreck ist aber dann umso größer, wenn nach einer Weile ein Brief der Führerscheinstelle im Kasten liegt, in dem diese erklärt, dass sie Zweifel an der Fahreignung des Betreffenden hat. Diese mögen doch bitte bis zu einer bestimmten Frist (meist einige Wochen) durch die Vorlage eines positiven Gutachtens (also MPU) ausgeräumt werden. Ansonsten müsse man die Fahrerlaubnis entziehen.

Viele erfahren einen entscheidenden Punkt erst durch das negative Gutachten, also wenn es zu spät ist:
In der Kürze der Zeit, welche die Frist der Führerscheinstelle vorgibt, ist schon aus formalen Gründen kein positives Gutachten möglich! Die Leitlinien des Gutachters schreiben nämlich verbindlich 6-12 Monate belegte (!!) Änderung des Alkoholkonsums vor. Das ist natürlich einige Wochen nach einer Promillefahrt nicht möglich.

Legt man dann das negative (oder gar kein) Gutachten vor wird tatsächlich entzogen. In einigen Gegenden wird sogar ein Fahrverbot fürs Fahrrad ausgesprochen! Haben Sie es so oder so ähnlich auch erlebt?

Was können Sie nun tun?

Unmittelbar nach der Trunkenheitsfahrt ist Eile geboten: Nehmen Sie sofort Kontakt mit einem Verkehrspsychologen und einem Rechtsanwalt (wenn möglich: spezialisiert auf Verkehrrecht) auf! Zunächst mal: Abzuwarten kann in dieser Phase fatale Folgen haben. Hier geht es u.U. um jeden Tag. Wichtig ist es, sicherzustellen, dass die Zeit für eine MPU - Vorbereitung reicht, und dass eine fachlich qualifizierte Maßnahme dann auch unverzüglich begonnen wird. Technische Fragen (Einspruch, medizinische Werte, Fristen) spielen in dieser Konstellation möglicherweise eine größere Rolle und sollten mit dem Verkehrstherapeuten besprochen werden. Dazu gehört auch die Frage, ob der Einsatz eines "Alkohol-Interlocks" in Frage kommt.

Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen (negatives Gutachten und/oder Entziehung der Fahrerlaubnis), heißt es, den Schaden in Grenzen zu halten. Erkundigen Sie sich nun unverzüglich, wo Sie eine gute Vorbereitung auf die nächste MPU am besten hinbekommen.

Überblick über wesentliche Punkte bei Trunkenheitsfahrten mit dem Fahrrad:

  1. Wenn sie als Führer eines Fahrrades durch Fahrunsicherheit auffallen, machen Sie sich ab einer Alkoholisierung von (über) 0,3 Promille strafbar – ganz ähnlich wie bei Fahrten mit dem Auto. Ob dies Auswirkungen auf Ihre Fahrerlaubnis hat, hängt dann von den Umständen und Ihrer Vorgeschichte ab. Über 1,6 Promille hat es die gleichen Auswirkungen, wie im Folgenden unter Punkt 2. beschrieben.
  2. Wenn Sie mit dem Fahrrad– ohne Auffälligkeit – in eine Routinekontrolle geraten machen Sie sich ab einem Promillewert von (über) 1,6 strafbar. In diesem Fall ist immer auch Ihr Führerschein gefährdet! Da aber der Strafrichter in der Regel zunächst keine Entziehung der Fahrerlaubnis verfügt, halten viele Fahrer die Angelegenheit damit zunächst einmal für erledigt. Aber: Sobald die Führerscheinstelle von der Trunkenheitsfahrt erfährt – das erfolgt sicher, aber unterschiedlich schnell – muss sie Zweifel an der Fahreignung entwickeln und zur Klärung ein positives MPU Gutachten verlangen. Dafür wird eine Frist gesetzt, die häufig zu kurz ist, um wenigstens den formalen Anforderungen für eine positive Begutachtung zu entsprechen.
  3. Keine Zeit verlieren! Sofort zum Verkehrstherapeuten und zum Rechtsanwalt!
  4. Ist die Fahrerlaubnis bereits entzogen, Kontakt zum Verkehrstherapeuten aufnehmen und alle notwendigen Maßnahmen angehen.

Für die PRO∙NON-Maßnahme an sich gilt, was auch bei Trunkenheitsfahrten mit dem Auto zu beachten ist.

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Alkohol-Interlock

Was ist ein Alkohol-Interlock-Gerät?

Ein Alkohol-Interlock-Gerät hat grundsätzlich die Wirkung einer elektronischen Wegfahrsperre. Es gibt zusätzlich zwei weitere wichtige Funktionen:

  1. Der Führer des Kraftfahrzeuges muss in jedem Fall vor dem Anlassen des Motors eine Atemprobe in das Handgerät abgeben. Nach wenigen Sekunden erhält er das Ergebnis: Ist im Atem kein Alkohol enthalten, kann er das Kfz wie gewohnt starten und fahren. Sollte sich Alkohol in der Atemluft befinden, kann das Kfz nicht gestartet werden.
  2. In dem Steuergerät des Alkohol-Interlocks werden alle wichtigen Daten gespeichert, so dass sowohl das richtige Verhalten als auch Fehlversuche registriert sind und ausgewertet werden können.

Wichtig ist: Nach dem Motorstart greift ein Alkohol-Interlock niemals in die Funktionen des Kfz ein.
Alkohol-Interlocks können also unmittelbar verhindern, dass ein alkoholisierter Benutzer dieses Kfz starten kann. Folglich wird eine Alkoholfahrt verhindert.

Wer kann es sinnvoll für sich einsetzen?

Aus dem Blickwinkel der Verkehrssicherheit ist es wichtig, dass Kraftfahrer selbstverantwortlich und dauerhaft ohne Alkohol, also fahrtüchtig, im Straßenverkehr teilnehmen. Das ist gleichzeitig das Interesse jedes Kraftfahrers, also auch von Ihnen, weil dadurch zu Recht Ihre Fahrerlaubnis erhalten bleibt.
Fahrerlaubnisinhaber können freiwillig ohne weitere Bedingungen ihr Kfz mit einem Alkohol-Interlock-Gerät ausstatten.
Das kann auch aus Gründen der Vorsorge geschehen.
Für den Fall einer oder mehrere Trunkenheitsfahrten kann es unter bestimmten Voraussetzungen nützlich sein, ein Alkohol-Interlock freiwillig einbauen zu lassen.
ACHTUNG: Hier gelten rechtliche Besonderheiten.

Sollten Sie sich in einer der folgenden Situationen befinden, lesen Sie bitte hier aufmerksam weiter:

Fallgruppe 1: (Wiederholte Fahrten unter Alkohol)
Sie wurden in der Vergangenheit wegen einer Trunkenheitsfahrt mit einem Kfz gerichtlich bestraft (§§ 315 c, 316, 323 StGB) und die Fahrerlaubnis wurde entzogen.
Inzwischen haben Sie Ihre Fahrerlaubnis wieder erhalten
UND
vor kurzem wurde ein Bußgeldverfahren wegen Alkohol im Straßenverkehr (0,5 bis 1,09 Promille Blutalkohol oder 0,25 bis 0,54 mg/l Atemalkohol) rechtswirksam.
Die Fahrerlaubnisbehörde hat die Pflicht, Sie als Fahrerlaubnis-Inhaber entsprechend der verkehrsrechtlichen Bestimmungen (insbesondere § 13, 2 b der Fahrerlaubnis-Verordnung) zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) aufzufordern, wenn Sie durch die üblichen Mitteilungen über Ordnungswidrigkeiten und Straftaten davon erfährt. Nach dieser Aufforderung haben Sie eine Frist von in der Regel 2 Monaten, um das Gutachten vorzulegen. Nur wenn das Gutachten positiv ausfällt, bleiben Sie im Besitz der Fahrerlaubnis.

Fallgruppe 2: (Strafbefehl für eine Fahrt mit dem Fahrrad unter Alkohol mit mehr als 1,6 Promille)
Sie sind momentan im Besitz Ihrer Fahrerlaubnis
UND
wurden wegen einer Verkehrsteilnahme mit dem Fahrrad mit mehr als 1,6 Promille gerichtlich bestraft. In dem Strafverfahren wird die Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge nicht entzogen.
Die Fahrerlaubnisbehörde hat nach Kenntnisnahme dieser Bestrafung (u.U. geschieht das erst nach mehreren Monaten) die Pflicht, Sie als Fahrerlaubnisinhaber entsprechend der verkehrsrechtlichen Bestimmungen (insbesondere § 13, 2 c) zur MPU aufzufordern. Nach dieser Aufforderung haben Sie eine Frist von in der Regel 2 Monaten, um das Gutachten vorzulegen. Nur wenn das Gutachten positiv ist, bleiben Sie im Besitz der Fahrerlaubnis.

Daraus ergibt sich für Sie:
In beiden Fällen gilt: Ihre Lage ist jetzt bereits ernst. Nutzen Sie die Zeit und werden Sie aktiv. Beginnen Sie sich auf die MPU vorzubereiten. Erhalten Sie Ihre Fahrerlaubnis aufrecht!
In Zusammenarbeit mit den PRO∙NON-Verkehrspsychologen können Sie die Voraussetzungen für Ihren persönlichen Stil im Trennen von Trinken und Fahren aufbauen und festigen.
Mittels des eingebauten Alkohol-Interlock-Gerätes können Sie durch die registrierten Daten Ihren Vorsatz "Im Auto 0,0 Promille" belegen.
Weitere Einzelheiten erfahren Sie in der nächstgelegenen PRO∙NON-Praxis.